
Neuigkeiten aus der Medizinregion Mittelhessen
Meilenstein für Transplantationsmedizin
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- 08. Februar 2012
Internationales Team unter Gießener Leitung entwickelt Methoden, um Spender vor Reperfusionsschaden zu schützen
Jedes Kind, das nach einer Schneeballschlacht seine Hände wieder aufwärmt, kennt den Schmerz, der mit dem erneut einsetzenden Blutfluss in die Finger schießt. Dieses bei winterlichen Kinderhänden harmlose Phänomen kann jedoch tödlich enden, wenn Organe wie die Lunge, das Herz oder das Gehirn davon betroffen sind. Man spricht vom sogenannten Reperfusionsschaden, der sowohl im Bereich der Transplantationsmedizin als auch bei Herzinfarkt und Hirnschlag eine entscheidende Rolle spielt.
„Wenn in einem auch nur kurzzeitig von der Sauerstoffversorgung abgeschnittenen Organ die Durchblutung wieder einsetzt, wirken Mechanismen, die zu einer noch viel schlimmeren Zerstörung von Gewebe führen, als der initiale Sauerstoff- und Blutmangel selbst“, sagte Prof. Friedrich Grimminger, einer der Koordinatoren des UGMLC (Universities of Giessen and Marburg Lung Center), an dem genau diese Phänomene erforscht werden. Unter der Leitung der hessischen Forscher ist es nun einem internationalen Team unter anderem aus München, Genf, Maastricht, London und Boston gelungen, eine neue Methode zu entwickeln, Spenderorgane zukünftig besser vor dem Reperfusionsschaden zu schützen und somit einen wichtigen Beitrag zur Überwindung des dringlichen Spenderorganmangels zu leisten. Erst kürzlich war dieses Thema auch Gegenstand des ersten standortübergreifenden Lungentransplantationssymposiums des Universitätsklinikums Gießen und des Transplantationsteams der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim.
Prof. Ardeschir Ghofrani, Lehrstuhlinhaber für Pulmonalvaskuläre Forschung an der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen, erläuterte hierzu, „dass durch Aufklärungsarbeit die Spendebereitschaft der Bevölkerung verbessert werden kann, aber auch die Wissenschaft ihren Beitrag dazu leisten muss, die Knappheit an geeigneten Organen durch neue gewebeschonende Verfahren zu überwinden“.
„Wir hoffen, dass die von uns neu beschriebenen Signalwege und Methoden zur Vermeidung des Organschadens, die aktuell in der Zeitschrift Nature veröffentlicht wurden, schnell Eingang finden in den Bereich der Lungentransplantationsmedizin. Dies wäre ein weiteres Beispiel dafür, wie Grundlagenwissenschaft schnell zum Wohle von Patienten umgesetzt werden kann“, erläuterte Prof. Norbert Weissmann, der sich mit seiner Forschergruppe an der JLU seit Jahren mit Lungenerkrankungen beschäftigt und Koordinator des internationalen Forscherkonsortiums war.
Quelle: Gießener Anzeiger
Weitere Informationen unter: www.uni-giessen.de










